Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse

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News Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse 2026

Die Rundhofhalle wird zur Werkstatt

Über hundert Aussteller verwandeln die Rundhofhalle in einen Werkplatz. Marco Fumagalli, Leiter Berufsbildung beim Gewerbeverband Basel-Stadt, über Handwerk, Chancen und den Wert des Machens.

Infostand BBWM
Halle 2.0 / B02

Mitte Oktober herrscht in der Rundhofhalle 2.0 der Messe Basel wieder Ausnahmezustand. Wo sonst Kongresse tagen, fliegen Hobelspäne und Funken. Die vom Gewerbeverband Basel-Stadt organisierte Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse (BBWM) bringt Jugendliche, Eltern und Weiterbildungswillige mit Betrieben zusammen. Marco Fumagalli, Leiter Berufsbildung beim Gewerbeverband Basel-Stadt, bezieht Stellung zur Lage der dualen Bildung.

Marco Fumagalli, warum braucht es 2026 noch eine physische Messe, wenn Jugendliche ihre Lehrstellen auf dem Smartphone suchen?

Marco Fumagalli: Weil man ein Handwerk weder downloaden noch wegwischen kann. Ein kurzes Video auf Social Media vermittelt kein Gespür dafür, wie schwer ein Hammer in der Hand liegt, wie frisches Holz riecht oder wie sich die Hitze beim Schweissen anfühlt. Die Realität des Gewerbes findet in Werkstätten und auf Baustellen statt. Unsere Betriebe suchen Nachwuchs, der anpackt. Auf der Messe sprechen Schülerinnen und Schüler direkt mit Lernenden. Dieses Gespräch unter Gleichaltrigen decken falsche Vorstellungen schneller als jede Werbebroschüre auf.

Gleichzeitig verändern Algorithmen die Arbeitswelt in rasantem Tempo. Welchen Wert hat eine handwerkliche Lehre im Zeitalter künstlicher Intelligenz?

Handwerkliches Können bleibt unersetzbar. Kein Algorithmus der Welt repariert ein leckendes Rohr, deckt ein Dach neu ein oder verdrahtet einen Schaltschrank im Keller. Software automatisiert Bürojobs, Texte und Datenanalysen. Wer mit den eigenen Händen arbeitet und physikalische Probleme an Ort und Stelle löst, steht auf sicherem Boden. Dieser Wert steigt mit jedem neuen Technologieschub.

Dennoch steuern viele Eltern ihren Nachwuchs in Richtung Gymnasium.

Viele Mütter und Väter sitzen alten Denkmustern auf. Unser Schweizer System kennt keine Sackgassen. Mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis stehen alle Wege offen. Die Berufsmaturität sichert den prüfungsfreien Zugang zu den Fachhochschulen, die Passerelle führt an die Universitäten. Höhere Fachprüfungen und Meisterdiplome bringen Berufsleute direkt in die Führungsetagen regionaler Betriebe. Viele unserer erfolgreichsten Gewerblerinnen und Gewerbler haben als Lernende an der Werkbank begonnen.

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher in der Halle 2.0?

Bei uns gibt es nicht nur Broschürenblätter. Mehr als hundert Verbände und Unternehmen bauen funktionierende Arbeitsplätze auf. Da wird gehobelt, gelötet, gefräst und gemischt. Jugendliche packen an den Ständen selbst mit an und probieren typische Handgriffe aus. Wir decken das gesamte Spektrum ab: vom eidgenössischen Berufsattest über das Fähigkeitszeugnis bis hin zur höheren Fachschule.

Viele KMU klagen über fehlende Bewerbungen. Schafft die BBWM hier Abhilfe?

Die Messe schafft den direkten Erstkontakt. Wenn Betriebsinhaber/-innen sehen, wie geschickt eine Schülerin oder ein Schüler am Stand ein Werkstück bearbeitet, erübrigt sich oft die lange Bewerbungsmappe. Dann kann es unkompliziert heissen: «Melde dich doch nächste Woche, um mal zu schnuppern.» Unser duales System lebt davon, dass Wirtschaft und Jugendliche zusammenfinden, bevor Frust entsteht.

Die Messe richtet sich auch an Berufsleute mit Erfahrung. Welche Möglichkeiten bietet die Weiterbildungsschiene?

Stillstand ist im Gewerbe das grösste Risiko. Ob Automatisierung, neue Vorschriften oder Führungsaufgaben: Wer vorankommen will, bildet sich weiter. Wir präsentieren Bildungsangebote für Höhere Fachprüfungen und Nachdiplomstudien. Die Messe dient Fachleuten als Gradmesser für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Ein solcher Grossanlass lässt sich nicht im Alleingang bewältigen.

Die Berufsbildung ist eine gesetzliche Verbundaufgabe. Bund, Kanton und Wirtschaft ziehen an einem Strick. Unser Dank gilt dem Erziehungsdepartement Basel-Stadt für die verlässliche Zusammenarbeit. Ebenso bedanke ich mich bei den Verbänden und Ausbildungsbetrieben, die drei Tage lang vollen Einsatz leisten. Ohne engagierte Berufsbildnerinnen und Berufsbildner gäbe es keine Fachkräfte.

Was ist für Sie persönlich das Highlight der BBWM?

Der Moment, wenn bei einer Schülerin oder einem Schüler der Funke überspringt. Man sieht förmlich, wie die Augen aufleuchten, wenn ein selbst gefertigtes Werkstück gelingt oder eine Maschine genau das tut, was sie soll. Wenn aus anfänglicher Skepsis pures Interesse wird und die Jugendlichen merken, was sie mit ihren eigenen Händen schaffen können: Das ist unbezahlbar.

Deine Kontaktperson

Marco Fumagalli

Marco Fumagalli

Co-Messeleiter BBWM

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